5. November 2015

Dossiers
Antariksha Sanchar.
Serious Games

Text: Anja Neidhardt

Nicht alle digitalen Spiele sind eine Flucht in eine andere Welt. In manchen Games macht man Erfahrungen, die letztlich dazu beitragen können, dass man die Welt, in der man lebt, besser versteht – seien es andere Länder, Kulturen, Menschen oder auch Konflikte und die Vergangenheit.

Egal, ob als Flugsimulator für angehende Piloten oder als Mathematikrätsel für Grundschüler, sogenannte Serious Games haben schon immer versucht, Wissen und Bildung zu vermitteln. Die neue Generation dieser Spiele stellt eine gekonnte Mischung aus Lern- und Unterhaltungsspiel dar, deren wichtigstes Merkmal eine Verbindung zwischen der realen und fiktiven Welt ist. Im Bestfall ist sich der Spieler der Wissensvermittlung gar nicht bewusst; er lernt unbemerkt und durch aktives Handeln und kann das erworbene Wissen und die gemachten Erfahrungen direkt auf die Realität übertragen.

In form 262 stellen wir zwei Vertreter der Serious Games vor, die wir online um weitere zwei ergänzen.



 

In Indien stellt ein Team aus Spieleentwicklern und -designern derzeit ein Projekt auf die Beine, das möglichst unabhängig von westlichen Einflüssen die eigenen Traditionen und Geschichten weitertragen soll. „Antariksha Sanchar“, das gerade aus einer Zusammenarbeit des Quicksand Studios (siehe form 261, Research) mit dem Kollektiv B.L.O.T. entsteht, ist nicht nur ein digitales Spiel, sondern vielmehr eine transmediale, spekulative Science-Fiction-Geschichte, die auf den Abenteuern eines gewissen Ramanujan (inspiriert von dem indischen Mathematiker) basiert. Diese Geschichte wird mithilfe eines Videospiels, einer Graphic Novel, einer audiovisuellen Performance sowie Spielzeugen und Kunstwerken erzählt. Ramanujan besitzt eine audiovisuelle Begabung, die es ihm erlaubt, auf einer surrealen Reise die Einheit zwischen Natur, Kunst, Wissenschaft und Kultur zu erkunden. Das Point-and-Click-Abenteuer soll am Ende aus mehreren Episoden mit vielen Gesprächen zwischen den Charakteren bestehen.

Essentieller Teil der Spielgestaltung ist eine Bharatanatyam-Performance der Tänzerin Jayalakshmi Eshwar. Bharatanatyam ist ein klassischer indischer Tanz, über den Geschichten aus Mythologie und Literatur erzählt werden. Nachdem die Bedeutung des Tanzes für die südindische Tempelkultur verloren ging, entwickelte sich aus der über 2.000 Jahre alten Tradition ein Bühnentanz, der etwa 200 Jahre zurückverfolgt werden kann. Eshwar wandelt den traditionellen indischen Tanz ab, lässt neue Ideen einfließen und nutzt digitale Medien, um ihre Performances zu entwickeln.

Das Games Lab des Quicksand Studios hat zum Ziel, die interaktive Kulturvermittlung in Indien innerhalb des Kontexts von alten und neuen Kulturströmungen zu erforschen. Antariksha Sanchar ist der erste Versuch, globale Mainstream-Trends umzustrukturieren, eigene Inhalte zu etablieren und ein indisches, kommerzielles Spiel zu entwickeln. Dafür greift das Team unter anderem auf das gemeinsame Netzwerk aus Designer- und Künstlerfreunden zurück, zu denen auch die Organisatoren des Unbox Festivals zählen.

 

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