8. Oktober 2015

Dossiers
Between the Lines of form 262:
Simon Donger, Szenograf

Text: Franziska Porsch

Szenografie ist das Schwerpunktthema der kommenden Ausgabe, für die wir den Szenografen Simon Donger als Autoren gewinnen konnten. Neben seiner Tätigkeit als Bühnenbildner, Regisseur und Kurator arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kursleiter an der Royal Central School of Speech and Drama der University of London, wo er ebenfalls an der Entwicklung des Masterstudiengangs für Szenografie beteiligt war. Zu seinen aktuellen Projekten gehören zwei Produktionen des Bolschoi-Theaters in Moskau, für die er interaktive Projektionen gestaltet und umgesetzt hat, auf die er in seinem Artikel „Lebendiges Licht – Theatre Space“ näher eingeht. Vorab haben wir ihm Fragen zu seiner Arbeitsweise und der Zusammenarbeit mit dem Bolschoi-Theater gestellt. Außerdem zeigen Videoausschnitte die Entwurfsarbeit für das Ballett-Stück „A Hero of Our Time“ und Teile der Aufführung.

 

form 262 erscheint am 15. Oktober 2015.

 

Between the Lines of form 262: Simon Donger, Scenographer from form – Design Magazine on Vimeo, preparatory interactive design and performance implementation for “A Hero of Our Time”, Vera’s Haze.

 

 

Wie und warum kam es dazu, dass Du den Beruf des Szenografen ergriffen hast?

 

Ich habe zuerst Bildhauer gelernt, dann aber schnell gemerkt, dass der lebende Körper wesentlich für meine Arbeit ist. Da performende Körper sehr gestaltbar und erfinderisch sind, bin ich zur Szenografie gewechselt.

 

 

Welche Einflüsse haben Deine Denk- und Arbeitsweise geprägt?

 

An diesem Punkt hatte ich das Glück, für drei Monate bei dem Ensemble Socìetas Raffaello Sanzio assistieren zu dürfen und diese Erfahrung hat meinen Ansatz und meine Arbeitsweise maßgeblich geprägt; sowohl ihre Idee von Performances als ein Ereignis des Widerstands gegen institutionalisierte Modi des Seins und Lebens als auch ihre Handhabung des Probenprozesses für Bühnenbild, Licht und Ton ohne Darsteller. Beides hat mich in meinem Interesse an Szenografie als lebendigem Organismus bestärkt, der Körper hinterfragt statt sie einzurahmen und zu definieren.

 

 

In welcher Rolle siehst Du die Gestalter in Deinem Arbeitsbereich in der nahen und fernen Zukunft?

 

Es gibt mehr und mehr Szenografen, die gleichzeitig als Regisseure arbeiten. Das erlaubt eine große Vielfalt inszenatorischer Ansätze. Ich hoffe, dass diese Diversifikation weiter zunehmen wird.

 

 

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Bolschoi-Theater in Moskau?

 

Die Zusammenarbeit mit dem Bolschoi-Theater resultierte aus technischen Problemen, die es angesichts zwei anstehender Produktionen lösen musste. Obwohl für jedes Stück verschiedene Regisseure und Designer zuständig waren, sollte beides Mal viel Wasser auf der Bühne sein und das konnte das Theater logistisch nicht stemmen. Deswegen haben sie Projektionen in Erwägung gezogen und mich eingeladen einen Entwurf vorzustellen und zu demonstrieren. Jeder kann im Grunde Regen oder eine Wasserfläche projizieren, aber damit es realistisch und effektvoll wirkt, muss es durch die Präsenz der Darsteller zu beeinflussen sein: So wie sich Wasser beispielsweise kräuselt, wenn man in es hineintritt. Also musste die Projektion interaktiv sein und das ist nicht so einfach beziehungsweise im Ballett nicht sehr verbreitet.

 

 

Wie entwickelst Du ein Bühnenbild für ein Stück? Wie sieht ein typischer Gestaltungsprozess aus?

 

Der Designprozess hängt sehr vom Kontext und den Beteiligten eines Projekts ab. Der Regisseur, der Choreograf, die Darsteller und andere Gestalter haben großen Einfluss auf die Entwicklung des Bühnenbilds. Weil es so viele interessante Art und Weisen der Zusammenarbeit gibt, tendiere ich dazu, sehr unterschiedliche Projekte und Kontexte zu wählen, damit sich mein eigener Prozess ständig weiterentwickelt. Abgesehen davon, gibt es wie bei jedem anderen Bühnenbildner bestimmte Dinge, die meinen Prozess auszeichnen: Handzeichnungen ziehen sich von Anfang bis Ende des Projekts durch, da es für mich essentiell ist, Momente aus dem Stück festzuhalten, um sie dann auf Papier visuell und meiner Vorstellung entsprechend manipulieren zu können. Außerdem schreibe ich die visuelle Dramaturgie der Szenografie auf: Dieser Text erläutert die Gründe für jede einzelne Gestaltungsentscheidung hinsichtlich der Dramaturgie des Stücks sowie den Ideen und Anforderungen des Regisseurs. Mit diesem Dokument beginne ich jedes Projekt und überarbeite es in seinem Verlauf.



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