17. August 2014

News
Digitale Keilschriften

Johannes Bergerhausen

Digitale Keilschriften

Deutsch, Englisch

Hermann Schmidt, Mainz

544 Seiten, €39.80

ISBN 978-3-87439-861-9

 

„Die Keilschrift war über drei Jahrtausende das dominierende Schriftsystem im alten Orient. Die erste Schrift der Menschheit wurde um 3300 v. Chr. von den Sumerern entwickelt und später von vielen anderen Völkern übernommen und für deren Sprachen weiterentwickelt. In Museen und privaten Sammlungen sind mehr als 500.000 Keilschrift-Tafeln erhalten, darunter viele Zehntausende, die noch nie übersetzt wurden. Jetzt werden sie alle digitalisiert.“ Warum diese Digitalisierung ein so großer Schritt ist, erklärt Johannes Bergerhausen in seiner vor kurzem erschienen Publikation „Digitale Keilschriften / Digital cuneiform“.



 

Da sind zum einen die Experten, die sich mit den Zeichen und ihrer Entschlüsselung beschäftigen. Bisher gibt es nur wenige von ihnen, verstreut über die ganze Welt. Der Austausch unter ihnen war bis vor kurzem noch erschwert durch die Unmöglichkeit, Keilschrift-Zeichen digital zu schreiben. Das ändert sich nun. Die Experten können sich besser austauschen, ihre Zeit und Energie mehr in die Entschlüsselung der Zeichen investieren und außerdem ihr bereits gesammeltes Wissen leichter an Schüler weitergeben.

Bergerhausen möchte mit seiner Publikation jedoch eine zweite, größere Gruppe erreichen: die der „visuelle[n] Menschen, denen es Spaß macht, sich in den Zeichen zu verlieren“. Auf 544 Seiten stellt er daher alle 1.063 Keilschrift-Zeichen vor. Nach einer Einführung in ihre Geschichte werden die Zeichen, aufgeteilt in vier farblich gekennzeichnete Unicode-Blöcke, präsentiert. Der Leser kann sich in den Zeichen verlieren, er hat aber gleichzeitig die Chance, zu erfahren, welchen enormen Einfluss Schreibwerkzeuge und -techniken auf das Aussehen der Zeichen hatten. Das Buch bietet also beides: Visuelle und erkenntnisreiche Einblicke in eine bisher kaum bekannte, immer noch wenig entschlüsselte, längst vergangene Welt.

 

Johannes Bergerhausen ist seit 2002 Professor für Typografie und Buchgestaltung an der Hochschule Mainz und unterrichtet am Atelier National de Recherche Typographique (ANRT) in Nancy. 2011 veröffentlichte er gemeinsam mit Siri Poarangan „Decodeunicode – Die Schriftzeichen der Welt“. In der diese Woche erschienen form 255 blickt Bergerhausen in seinem Beitrag für unsere Kategorie „Archiv“ auf 30 Jahre digitale Schriftgestaltung zurück. form 255 können Sie in unserem Online-Shop bestellen.

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