13. August 2015

Dossiers
Drei Fragen an:
Tonia Samsonova, The Question

Text: Anja Neidhardt

The Question ist eine russisch-sprachige Online-Plattform, die von einem internationalen, designorientierten Team geleitet wird. Sie deckt kein spezielles Thema ab; Nutzer stellen vielmehr Fragen und geben Antworten zu unterschiedlichen Inhalten, die sie Tags zuordnen. Wir haben mit Tonia Samsonova, CEO bei The Question, gesprochen.



 

1. Kannst du an einem Beispiel erklären, wie The Question funktioniert?

 

Alle Fragen und Antworten auf unserer Plattform werden von Usern beigetragen und mit Tags versehen. Alle Nutzer haben je eine Liste mit Geschichten und Themen, über die sie mehr erfahren möchten, aber auch eine Liste mit Informationen und Erfahrungen, die sie mit anderen teilen können. Als Media Manager, in London lebend, mit drei Kindern und einem beruflichen Hintergrund im politischem Journalismus in Russland, kann ich beispielsweise Wissen zu folgenden Themen teilen: Russland, Politik, London, Unternehmertum. Mehr erfahren möchte ich über: Physik, Zukunft, Mathematik und Kryptologie, Datenschutz und die Subkultur der Cyber Anarchy und ISIS SMM (Social Media Management). Ich beantworte also Fragen im ersten Feed und im zweiten stelle ich Fragen. 

 

 

2. Wie habt ihr die Idee für dieses Projekt entwickelt?

 

Ich habe Russland 2013 verlassen, das war eine Weile bevor der Krieg mit der Ukraine begonnen hat, als die Atmosphäre im Land allerdings schon erahnen ließ, dass in dieser Richtung bald etwas passieren würde. Ich war um das Wohlbefinden meiner Familie besorgt. Das Land zu verlassen, war eine schwierige Entscheidung, denn ich hatte zu dieser Zeit relativ großen beruflichen Erfolg in unabhängigen, russischen Fernseh- und Radiosendern. Als ich nach London kam, verlor ich alle Vorteile, die mit diesem Job einhergingen, der mich lange Zeit erfüllt hat. Während des ersten Jahres meines Exils sind viele Medien, für die ich vormals in Russland gearbeitet hatte, entweder eingestellt worden oder haben sich auf dramatische Weise verändert. Es war an der Zeit, etwas Neues zu beginnen. Für mich war klar, dass ich auf keinen Fall in der Lage sein würde, eine Nachrichtenagentur zu gründen, die alle Themen abdeckt – das ist ein viel zu kostenintensives Unterfangen. Aber ich wusste auch, dass nicht nur Politik der Inhalt meiner Webseite sein könnte, denn die Interessen der Menschen sind viel breiter. Schlussendlich habe ich dann 2014 zusammen mit einem Team eine Plattform entwickelt, die doch in der Lage ist, alle Themen abzudecken, für die man sich interessieren kann. Auch wenn ich zurzeit hauptberuflich als Korrespondentin in London arbeite, habe ich noch genügend Zeit The Question zu leiten.



 

3. Wo hat euer Team seinen Sitz?

 

Die Mitwirkenden, Designer und Entwickler sind über die ganze Welt verstreut. Unser Unternehmen wacht in Ubud (einem kleinen Ort auf Bali) auf, wo die Bildredakteurin Dina Lun lebt, dann geht es weiter nach Krasnojarsk, wo unsere Frontend-Entwickler sitzen, dann nach Moskau und Sankt Petersburg, wo Redakteure, Designer und der technische Leiter arbeiten, dann beginnt in Minsk für unsere Typografin Yulia Kondratuk der Tag, weiter geht es in London, und schließlich in New York, wo Polina Eremenko, eine unserer besten Autorinnen, lebt.

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