Gestrickter Badeanzug von Pelican Avenue

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Die 1960er Jahre hatten den Minirock. Die 1980er die Schulterpolster. 2014 entwerfen die Modedesigner all das immer noch, aber was ist daran neu? Haben die 2010er keinen eigenen Style? Doch, aber es ist nicht die Länge eines Saums, es ist nicht die Form einer Silhouette. Es sind die Technik und die Materialien, aus denen die Mode nicht mehr geschneidert, sondern verbunden wird. Couture ohne Couture, das ist heute. Neue Techniken, die aus der Wissenschaft kommen – darauf stürzen sich die Avantgarde- Designer. So, wie man schmeckt, ob ein Gemüse blanchiert oder gebraten wurde, so nimmt man wahr, wenn ein Stoff anders zusammengefügt und verarbeitet wurde, als gewohnt. Technische Details wie das Bonding, das Verkleben von Stoffen, die oft mit dem Laser geschnitten wurden, erzeugen eine ganz neue Gesamtästhetik. 




Man sieht den Unterschied sofort. Aber was ist es, was diesen Badeanzug von Pelican Avenue so besonders macht? Das 50er Jahre Muster? Nein. Der Schnitt? Kein Schnitt! Das ist es. Deshalb hat man gleich das Gefühl, dass dieser Badeanzug sich wie eine zweite Haut an den Körper schmiegt. Weil er aus einem elastischen Faden, der aus der Wassersport-Industrie stammt, in Form gestrickt wurde. So kann man nahtlos schwimmen wie ein Fisch, daher der Name „Fish“. Auch das seitliche Muster erinnert an dessen Flossen. „Im Grunde ist jeder Badeanzug ein superelastisches Gestrick. Nur wird in der Regel aus gestricktem Stoff geschnitten und zusammengenäht”, erklärt die Designerin Carolin Lerch aus Antwerpen, die vor ihrer Modeausbildung in Antwerpen in Wien Stricktechnik studierte.




„In den letzten Jahren hat es mich immer mehr interessiert, Design über die Technik zu bestimmen, anstatt nach einer technischen Lösung für eine Designidee zu suchen. Als Designer ist man ja total abhängig von den Fabrikanten des Produkts. Ich finde es spannend etwas Neues aus den bestehenden Möglichkeiten der Technik herauszuholen.” Carolin Lerch arbeitet mit einer experimentierfreudigen und idealistischen Stickerei in Belgien zusammen. Das richtige Garn für den Badeanzug, das hohe Elastizität und Stabilität im Wasser beweist, fand sie auf einer Garnmesse in Italien. Im Moment lässt die Designerin ihre Innovation patentieren.

Allgemein geht es bei Pelican Avenue darum, klassischen Teile neu zu interpretieren. Und zu modernisieren. Auch Plissee schneidet Carolin Lerch mit Lasercut, statt die Säume von Faltenröcken klassisch zu verarbeiten. So fallen die Falten viel präziser und die Säume kurviger. „Ich sehe das Erfinden einer Produktionsweise als eine Art Konterrevolution gegen industrielle Massenware. Wenn der Prozess zu handwerklich und zu teuer für die Massenproduktion ist, kann man sich als Designer von der Massenware distanzieren. Es ist ein gutes Mittel einer kleinen Kollektion viel Handschrift zu geben“, so Carolin Lerch.


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Nº 273
Designing Protest

form Design Magazine


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Dossier
Mode, Wasser
Jahr
2014
Disziplin
Modedesign, Textildesign
Ausgabe
form Nº 256 (hidden)
Links
pelicanavenue.com

Further information about fashion and water sports materials will be presented in form 256. The magazine can be ordered on line from our shop.

Text: Kathrin Leist