12. Februar 2015

Dossiers
Hannover Messe 2015

Text: Franziska Porsch

Die Hannover Messe nahm kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Anfang. Seitdem findet die weltweit größte Industriemesse jährlich statt. Das Leitthema 2015 lautet „Integrated Industry – Join the Network“ und kündigt die Herausforderungen an, die die nächste Stufe der industriellen Produktion – Industrie 4.0 – mit sich bringt.

Zu sehen sein werden unter anderem digital vernetzte Fertigungsanlagen, neuartige Industrieroboter und IT-gestützte Automationslösungen, die einen Eindruck von der Fabrik von morgen vermitteln sollen.

Das diesjährige Partnerland der Hannover Messe ist zum wiederholten Male Indien, das immer noch zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt zählt. Dabei ist Deutschland Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU und exportiert hauptsächlich Investitionsgüter wie Maschinen nach Indien. So soll die Hannover Messe sowohl den deutschen und internationalen Ausstellern Absatzpotential eröffnen, als auch den indischen Ausstellern Zugang zu neuen globalen Märkten.

Wir haben mit Marc Siemering, dem Geschäftsleiter der Hannover Messe, über die Gründe der Kooperation und Indiens Industrie gesprochen.



 

2006 war Indien schon einmal Partnerland der Hannover Messe. Was hat sich seitdem getan und was sind die Gründe für eine erneute Zusammenarbeit innerhalb einer solch relativ kurzen Zeitspanne?

 

Eine entscheidende Veränderung ist die, dass Indiens Unternehmen sehr viel stärker ihre Rolle in den globalen Wertschöpfungsketten der Industrie reflektieren. Indien versteht sich heute als aktiver Player in der Globalisierung. Indien will den Export stärken und die Fähigkeit unter Beweis stellen, in allen Bereichen der industriellen Wertschöpfungskette als Partner Aufgaben übernehmen zu können – von der Forschung bei Hochtechnologie bis zur gemeinsamen Vermarktung in weltweiten Märkten. Die Hannover Messe wird von den indischen Partnern als globale Plattform genutzt, dies einem weltweiten Industriepublikum zu demonstrieren.

 

 

In welchem Bereich liegen aus Ihrer Sicht die Stärken der indischen Industrie?

 

Wovon wir in Hannover sicher einen sehr starken Eindruck erhalten werden, sind mehrere Dinge: Die Fähigkeit und Entschlossenheit der indischen Familienunternehmen, sich an die gestiegenen Anforderungen des Weltmarkts anzupassen. Indien ist willens, sich neu auf internationale Märkte auszurichten. Hohe Kundenorientierung, Flexibilität und die Fähigkeit, internationale Technologietrends zu adaptieren, sind die Basis für die indische Industriedynamik.

 

 

In welchem Industriezweig ist die Kooperation deutscher und indischer Unternehmen am vielversprechendsten?

 

In vielen Bereichen hat die indische Industrie bereits ihren Anteil in den Lieferketten erobert. Denken Sie an die Automobilindustrie. Indien als Partnerland der Hannover Messe 2015 wird zu Kooperationen im Bereich der Energie und der Energieeffizienz einladen. Die Regierungen beider Länder werden die Messe nutzen, um Kooperationen in diesem Bereich anzuregen. Und schließlich ist Indien als globale IT-Macht auch gut aufgestellt, um das Thema Industrie 4.0 zu begleiten. Das wird bei dem Business Summit und im stark erweiterten Bereich der Digital Factory sehr deutlich werden.



 

Was kann die deutsche Industrie von einem Land wie Indien lernen?

 

Ich denke, es gibt einige verbindendende Momente: Die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit, mit der Familienunternehmen und -konzerne sich Kompetenzen und Märkte erschließen. Natürlich ist auch die Flexibilität zu nennen, mit der indische Unternehmen in unterschiedlichsten Business-Kulturen weltweit erfolgreich operieren. Indische Unternehmen empfehlen sich als Kooperationspartner auch in den schwierig zugänglichen Märkten der Welt.

 

 

Geht es auch um Ausbildungsmärkte?

 

Das ist in der Tat eines der wichtigsten Themen in der deutsch-indischen Zusammenarbeit und wurde auf den Indien-Events der vergangenen Messen immer wieder diskutiert. Indien bietet ein schier unerschöpfliches Reservoir an Talenten. Zehntausende Ingenieur-Absolventen treten Jahr für Jahr auf die lokalen und internationalen Arbeitsmärkte. Es kommt aber darauf an, wie diese Ressourcen in den Unternehmen weiter zu qualifizieren sind. Deutsche Unternehmen – wie unsere Aussteller Festo und Lapp – haben sehr lange und positive Erfahrungen mit der Rekrutierung und Ausbildung von Fachkräften aus Indien.

 

 

Berücksichtigen Sie bei der Auswahl der Aussteller auch ethische Aspekte wie Arbeits- und Umweltschutz und Sozialleistungen?

 

Die stärkste Motivation, die internationalen Standards bei Umwelt- und Sozialleistungen zu erfüllen, sind die Standards, die Industriekunden der indischen Unternehmen verlangen. Wer auf dem europäischen Markt bestehen will, der muss den Anforderungen und Zertifizierungen entsprechen. Diese zu überprüfen, das können die international geschulten Einkäufer der Industrieunternehmen sehr viel besser und effizienter, als wir dies als Messe tun könnten. Wir setzen aber auf das Interesse unserer indischen Partner, nur am nachhaltigen Erfolg interessierte Unternehmen zur Messe mitzubringen. Und dieses Ziel setzt die Einhaltung sozialer Standards voraus.

 

 

Spielt das Design bei der Kooperation eine Rolle und wenn ja, welche?

 

„Make in India” – diese Einladung des Partnerlands gilt sicher auch für das industrielle Produktdesign. Ich bin sehr gespannt darauf, wie Indiens Industrie sich in diesem Bereich dem internationalen Wettbewerb stellen wird. Noch jedes der Partnerländer der Hannover Messe hat dieses globale Schaufenster genutzt, Kunden und Partner mit exzellentem Design anzusprechen.

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