27. Oktober 2016

Dossiers
Interview mit
Cedric Kiefer, Onformative:
Sinn(es)einheit

Text: Franziska Porsch

Gestaltung ist – abstrakt formuliert – ein Eingabe-Ausgabe-System, das Ideen und Materialien, bedingt durch die jeweiligen Gestalter, deren Umwelt und Werkzeuge, in etwas Neues transformiert. Dabei dreht es sich im Design schon lange nicht mehr nur um den Output, vielmehr rücken vermehrt das System selbst und der damit verbundene (Gestaltungs-) Prozess in den Fokus. Wie unterschiedlich Gestalter diesen Zusammenhang thematisieren, zeigen die folgenden Projekte.

 

 

Zu den Arbeitsprinzipien des Berliner Studios Onformative gehört ein offener Prozess, der zu verschiedenen Outputs führen kann. Je nach Projekt kommen verschiedene Methoden, Formate und Medien zum Einsatz, die sich im Spannungsfeld zwischen analoger und digitaler Welt sowie Mensch und Technologie bewegen. Die Installation „Collide“ ist ihre aktuellste Arbeit, die in einer Linie mit zwei vorherigen Projekten steht: „Unnamed Soundsculpture“ und „Pathfinder“. Für „Unnamed Soundsculpture“ wurde die Bewegung einer Tänzerin mittels Tiefenkameras in eine dreidimensionale Punktewolke übersetzt, aus der wiederum eine freie Visualisierung entstanden ist. „Pathfinder“ hingegen dient Tänzern als Inspiration. Geometrische Formen werden einem Algorithmus folgend in den Raum projiziert, an denen die Tänzer ihre Choreografien orientieren können. Damit bildet „Pathfinder“ nicht wie „Unnamed Soundsculpture“ einen kreativen Ausdruck ab, sondern leitet ihn an. Beide Elemente finden sich in „Collide“ wieder: Nachdem aufgenommene Bewegungsdaten in abstrakte, atmosphärische Bilder verwandelt wurden, haben drei Cellisten diese vertont. Währenddessen wurde ihnen die Visualisierung über Virtual Reality-Brillen vor Augen geführt. Die entstandene Bild- und Klanglandschaft ist demnach das Ergebnis mehrerer Übersetzungen kreativer Prozesse, die in einer synästhetischen Erfahrung für den Betrachter münden. Wir haben mit Cedric Kiefer von Onformative über die Hintergründe von „Collide“ gesprochen.



 

Die Übersetzung von Analogem in Digitales und vice versa ist ein zentrales Element in Euren Arbeiten. Worin liegt der Reiz für Euch und welches Anliegen verfolgt Ihr damit?

 

Unser Anliegen, die Grenzen von Kunst, Design und Technologie in durchdachten und bedeutungsvollen Arbeiten zu entdecken, führt zu interessanten Schnittstellen zwischen Medien. Dieser Ansatz gibt uns die Möglichkeit, diese Räume zu erkunden und die Grenzen, durch die diese Felder definiert werden, zu hinterfragen. Ein wichtiger Anreiz für uns, dabei analoge und digitale Felder zu untersuchen, liegt in der Art und Weise, wie sie die Verbindung zwischen Mensch und Technik abbilden. Deswegen ist es für uns ein natürlicher Impuls, aus dem wir innovative Ideen und neue visuelle Sprachen entwickeln.

 

 

„Collide“ war eine Auftragsarbeit. Welche Zielsetzung hatte das Projekt und wie viel Freiheit hattet Ihr?

 

„Collide“ wurde von Dolby Laboratories in San Francisco beauftragt. Dolby war von unseren vorhergehenden Arbeiten „Unnamed Soundsculpture“ und „Pathfinder“ inspiriert und hat uns gebeten, eine ortsspezifische Arbeit für die Galerie in der Lobby ihres Hauptsitzes zu den Themen „Tanz“ und „Technologie“ zu schaffen. Die Interpretation wurde uns überlassen und wir konnten die künstlerische Richtung völlig frei bestimmen. Wir haben uns dafür entschieden, nicht nur zum Thema „Tanz“ zu arbeiten, sondern breiter zu denken und uns verschiedene Arten menschlichen Ausdrucks anzuschauen. Unsere Faszination gilt der Beziehung zwischen Mensch und Technik. Der konzeptuelle Hintergrund des Projekts entspricht unserem Ansatz, eine neue visuelle Sprache zu entwickeln, mit der wir Bewegung interpretieren können. Das Briefing von Dolby umfasste die technischen Möglichkeiten der Galerie, sodass wir das fantastische Soundsystem und den Rasterbildschirm nutzen konnten. Der Film wurde speziell für den 19 Meter langen Bildschirm mit dem Seitenverhältnis 13:1 angelegt.

 

 

 

 

In „Collide“ sind verschiedene Ansätze aus vorherigen Arbeiten zu finden. Inwiefern stellt „Collide“ eine repräsentative Synthese Eurer Arbeitsweise dar?

 

„Collide“ ist ein gutes Beispiel für unseren kollaborativen Prozess und interdisziplinären Ansatz. In dieser Arbeit erreichen unsere Ideen aus vorherigen Projekten, wie „Unnamed Soundsculpture“ und „Pathfinder“, ihren Höhepunkt. Wir beschränken uns nicht ausschließlich auf Tanz, sondern experimentieren in „Collide“ mit einer weitergefassten Idee von Körpern, die sich im Raum bewegen. Unser Prozess beinhaltet einen interdisziplinären Ansatz, der die Analyse von aufgenommenen Bewegungsdaten umfasst. „Collide“ ist auch ein gutes Beispiel für unsere kollaborative Vorgehensweise. Wir haben mit Musikern und Sounddesignern zusammengearbeitet, um von Beginn des Projektes an zu gewährleisten, dass Klang und Visualisierung nahtlos ineinandergreifen. Dieser Prozess illustriert unser Anliegen, das Potenzial von Konzepten voll auszuschöpfen und ein Stück zu erschaffen, das auf einer tiefergehenden Ebene erfahren wird.

 

 

Vor welche Herausforderungen hat Euch die Komplexität, die vielen Übersetzungsschritte – Tanz zu Bewegtbild zu Sound – innerhalb des Projekts gestellt?

 

Die größte Herausforderung war das Gefühl und die Idee der Einheit der Sinne in ein visuelles und klangliches Format zu übersetzen. Da die Bilder die Komposition der Musik vorgegeben haben und umgekehrt, haben alle Komponenten der Installation Einfluss auf das Ganze gehabt und veranschaulichen dadurch das Phänomen der Synästhesie.

 

 

Collide – digital art installation from onformative on Vimeo.

 

 

Steht schon ein nächstes Projekt an? Was habt Ihr in Zukunft geplant?

 

Momentan arbeiten wir an mehreren Projekten in unterschiedlichen Phasen der Fertigstellung. Sie reichen von physischen Bewegungsskulpturen bis hin zu anderen digitalen, bildschirmbasierten Arbeiten. Wir haben immer Ideen für neue Projekte, die nur auf eine Gelegenheit warten, verwirklicht und ausgestellt zu werden. Da wir uns gerne einer kollaborativen Arbeitsweise verpflichten, sind wir immer an Möglichkeiten interessiert, die uns in einen offenen Prozess mit anderen aus unterschiedlichen Bereichen bringen.

Shop

Nº 274
Identity

form Design Magazine


Aws4 request&x amz signedheaders=host&x amz signature=84e1666464d53d34e052fe2b107ffd18e0c6000242c745c9c53319596da9746d Jetzt bestellen

Kontakt

Verlag form GmbH & Co. KG
Wildunger Straße 8
60487 Frankfurt am Main
Germany

T +49 69 153 269 430
F +49 69 153 269 431
form@form.de

Leserservice

Fragen zur Abonnementrechnung, zum Abonnementangebot oder Adressänderung?

T +49 69 153 269 438
F +49 69 153 269 439
leserservice@form.de

Newsletter

Melden Sie sich jetzt an, um an exklusiven Ticketverlosungen teilzunehmen, monatliche Neuigkeiten zum Magazin zu erhalten und über aktuelle Design-Events und -Publikationen informiert zu werden.

Anmelden

Design Magazine
Established 1957

 

 
form.de