Kyuha Shim: Performa

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Royal College of Art London, 2014

open-output.org/qshim


Die Eigenschaft eines von Hand geschriebenen Texts, neben den bloßen Worten auch den Zustand des Schreibenden offenzulegen, ist in Zeiten des Schreibens mit der Tastatur verloren gegangen. „Performa“, ein generatives System, das Typografie in Echtzeit erzeugt und dabei das Tippverhalten des Nutzers abbildet, holt diese Eigenschaft ins Digitale. Wie lange eine Taste gedrückt wird, entscheidet über die Buchstabenbreite, die Höhe des Drucks entscheidet über die Strichstärke des Buchstabens.




„Wollen wir getippte Texte emotional verfeinern, behelfen wir uns schon mal mit Smileys und Emoticons. Wem diese aber schon immer zu emotionslos oder einfach zu infantil erschienen sind, dem kann in Zukunft vielleicht mit Performa geholfen werden. Hektik, Spannung oder auch Leichtigkeit erhalten eine im wahrsten Sinne neue grafische Ausdrucksform.“ Stephan Ott

 

Kyuha Shim hat uns drei Fragen beantwortet:

 

1. Wie kann Performa gewisse „Merkmale des Schreibens“ in einen digitalen Font übersetzen?

 

Wenn eine Taste auf der Tastatur gedrückt wird, erscheint das entsprechende Zeichen und dehnt sich kontinuierlich aus, bis sie wieder losgelassen wird. Die Zeitspanne zwischen den beiden Aktionen bestimmt die Dehnung bzw. die Breite des Zeichens, der Druck, mit dem die Taste angeschlagen wird die Strichstärke.

 

2. Ist für die Anwendung spezielle Hardware nötig?

 

Bisher ist sie nur auf einem MacBook möglich, weil dort serienmäßig ein Bewegungssensor eingebaut ist, der für mein System nötig ist. Diese Technologie heißt Sudden Motion Sensor [Sensor für plötzliche Bewegung]. Alternativ kann eine druckempfindliche Tastatur für Microsoft Surfaceverwendet werden.

 

3. Siehst du einen Trend zur analogen Nostalgie? Werden deiner Meinung nach in Zukunft vermehrt digitale Produkte auftauchen, die mechanische oder haptische Erlebnisse imitieren?

 

Nein, Performa ist ein generatives System, das in Echtzeit das Tippen des Users in Typografie mit den entsprechenden Attributen umsetzt. Das System greift gewisse Verhaltensmerkmale des Users auf und produziert so zeitabhängige Fonts. Innovationen im Softwarebereich machen heute sehr fortschrittliche Kommunikation möglich. In Zeiten, in denen die Menschen häufiger auf einer Tastatur schreiben als per Hand, weckt Kalligrafie nostalgische Gefühle. In ihr sind noch die Spannung und die Geschwindigkeit der Schreibhand zu sehen. Mein System setzt sich mit der Frage auseinander, wie die visuelle Präsenz des individuellen Schreibstils in unsere digitale Kultur übersetzt werden kann.


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