14. April 2018

News

Nachruf Günter Kupetz
(1925–2018)

Text: Jörg Stürzebecher

Er gehörte zu der Generation, die vor ihrer eigentlichen Berufsfindung noch Soldat im Zweiten Weltkrieg werden musste, einer Generation, die in eine Trümmerlandschaft zurückkehrte, in der vieles zerstört, aber auch vieles möglich war: Der am 24. März 2018 verstorbene Produktdesigner und Hochschullehrer Günter Kupetz.



 

Gleich nach dem Krieg begann er sein Studium in Berlin, zu seinen Kommilitonen gehörten der Künstler-Schriftsteller Günter Kunert und der spätere Pardon- und Titanic-Zeichner Chlodwig Poth. Wie bei diesen war auch bei Kupetz, zunächst Bildhauer unter Bernhard Heiliger-Einfluss, der Lebensweg offen, Möglichkeiten gab es viele. Besuche in Skandinavien brachten ihn mit modernem Gebrauchsgerät – so hieß das damals – in Berührung, bald folgten Aufträge für die WMF, der Mann wurde Produktgestalter. Was er in die WMF brachte, waren technisch optimierte und formal reduzierte Lösungen, Servierbretter, die sich nur minimal von der Standfläche absetzten, Schalen, deren Organik an Constantin Brâncuși und Isamu Noguchi, aber natürlich auch an Heiliger erinnerten, grazile Objekte für die kleinen Nachkriegsfreuden zwischen Salzstangen und Cocktailspießen. Das war nicht mehr wie bei Wilhelm Wagenfeld die schwer erarbeitete richtige und zeitlose „Gute Form“, das war sich der Mode öffnende „Gute Form plus“.



 

1959 gehörte Kupetz zu den acht Mitbegründern des Verbands deutscher Industrie Designer (VDID) und trug in diesem Zusammenhang zur Professionalisierung des Designers jenseits von Kunstgewerbler und Ingenieur bei, etwas, was für ihn zu Professuren zunächst in Kassel und ab 1973 in Berlin führte. Vorbehalte hatte er, wie viele VDIDler, gegen eine Theorielastigkeit im Design. Dies wurde sowohl in seiner Kritik an der HfG Ulm wie auch in seiner Betonung des Handhabbaren deutlich. Letzteres, das nicht mit bloßem Handschmeichlerischen verwechselt werden darf, zeigt sich auch in der bekanntesten Arbeit, die mit Kupetz’ Namen verbunden ist, die in der Kasseler Unterrichtszeit 1971 entworfene taillierte Flasche für Gerresheimer Glas, die so genannte Sprudelwasser-„Perlenflasche“. Zusammen mit der Taille geben die op-artigen Glasnoppen der Hand auch dann Halt, wenn etwa beim Grillen die Hände nicht ganz fettfrei sind, ein Abrutschen ist fast nicht möglich. Doch liegt in diesem Entwurf auch eine gewisse Tragik für Kupetz, denn sie reduzierte ihn auf eine Art „One-Hit-Designer“. Dabei hat er – die Ausstellung im Bauhaus Archiv 2006 hat es an vielen Beispielen erörtert – viel mehr geleistet.

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