8. April 2014

News
Nachruf John Heskett
(1937 – 2014)

von Bernhard E. Bürdek

 

John Heskett studierte Ökonomie in London und begann sich schon sehr früh für das Industrial Design zu interessieren. Er gilt als einer der Mitbegründer der Designgeschichte in England, die dort eine hohe Reputation besitzt. Heskett lehrte am Lanchester Polytechnic, in Sheffield sowie am Ravensbourne College in Bromley/London.



 

1989 übersiedelte er nach Chicago, lehrte und forschte dort bis 2004 am renommierten IIT (Illinois Institute of Technology) – selbst eine Ikone der Designgeschichte, an dem lange vor Heskett Mies van der Rohe zwanzig Jahre lang Direktor der Architekturabteilung gewesen war. Von 2004 bis 2012 lebte John Heskett in Hongkong und lehrte bis 2011 an der Hong Kong Polytechnic University, von 2011-2012 war er dort Dekan des Fachbereichs Design und hat maßgeblich zur internationalen Reputation dieser Hochschule beigetragen. Während seiner Zeit in Hongkong beriet er zahlreiche Unternehmen im Pearl River Delta, der boomenden Wirtschaftsregion im Süden Chinas und auch diverse staatliche Institutionen. Er war auch Partner des japanischen Designbüros Hirano & Associates in Tokyo.

 

Hesketts besonderes Interesse galt dem deutschen Design. 1987 erschien von ihm eine exzellente Geschichte des Designs in Deutschland in den Jahren 1870-1918. Dort schilderte er die Entwicklung des Industrial Designs vom Anbeginn der Industrialisierung. Überhaupt sah er in dieser Zeit die eigentliche Begründung der Disziplin: technologisch wie ökonomisch. Seine globale Designgeschichte „Industrial Design“ (1980) wurde zu einem Lehrbuch für Generationen von Designstudierenden. Mit 180 Abbildungen – allesamt in schwarz/weiß – ist es ein Klassiker geworden und geblieben, lange bevor die digitalen Bildfluten begannen, das Design zu überströmen.
„Toothpicks & Logos“ (Oxford 2002) ist eine Sammlung brillianter Essays über alltägliche Gegenstände und Produkte. Hesketts quasi ethno-kulturelle Perspektive reichte vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sein Leitmotiv lautete: „Design is the human capacity to shape and make our environements in ways that satisfy our needs and give meaning to our lives”. In diesen Essays beschreibt er den VW Golf, Otl Aichers Pikotogramme für die Olympischen Spiele in München, Niketown, den Aeron Chair (der Prototyp moderner Sitzmaschinen), Nokias Mobiltelefone, OXO Goodgrips u.v.a.m. (siehe dazu form 186, 6/2002).

 

Heskett ging es immer um die Verbindung von Ökonomie und Design. Denn nur so könne es gesellschaftlich relevant sein. Anschaulich machte er das am globalen Design-Player Philips, sein dazu erschienenes Buch: „Philips: A Study in Corporate Design“ (1989) belegt die ökonomische Bedeutung von Design. Aber es ging ihm auch darum, darzustellen, dass Design kulturelle Werte besitzen und Technik anschaulich machen kann.

 

In seiner fundamentalen Analyse „Creating Economic Value by Design“ (International Journal of Design, Vol. 3, No.1, 2009) untersuchte er zahlreiche klassische ökonomische Modelle wie von Peter Drucker, Joseph Schumpter, Adam Smith u.a.m.  – denn dies war seine Domäne – und zeigte daran auf, dass Design sowohl volkswirtschaftlich (also global) als auch betriebswirtschaftlich (auf die Unternehmen bezogen) wirksam sein kann. Ein Thema, das in der Designgeschichte bis heute nur recht marginal behandelt wird.

 

John Heskett war einer jener herausragenden Lehrer, der Generationen von Studierenden aus aller Welt geprägt hat. Als Gast unterrichtete er in Chile, Dänemark Finnland, Japan, Schweden der Türkei und auch in Deutschland. Zahlreiche Doktoranden haben von ihm profitiert. Mit diesen ging er immer kollegial um, er war kein Star, sondern ein überaus profunder Mentor und Kenner der materiellen, technologischen und gestalterischen Welt. Mit ihm zu diskutieren bedeutete für mich immer einen Erkenntnisgewinn.

 

2012 übersiedelte er zurück nach Brighton/England, ein langgehegter Wunsch von ihm und seiner zweiten Frau Pamela. Zu spät, wie wir jetzt wissen, am 25. Februar 2014 verstarb Heskett dort nach langer Krankheit. Das internationale Design hat eine herausragende Persönlichkeit verloren.

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