11. Februar 2018

News

Nachruf Elisabeth Walther-Bense

(1922–2018)

Text: Jörg Stürzebecher, Ursula Wenzel

Pragmatisch, geduldig, bestimmt – das sind einige Charaktereigenschaften, die genannt werden, wenn nach dem Wesen der schon am 10. Januar verstorbenen Philosophin, Sprachwissenschaftlerin, Übersetzerin und Hochschullehrerin Elisabeth Walther-Bense gefragt wird.



 

Dabei hat Elisabeth Walther, wie sie bis 1988 hieß, als Naturwissenschaftlerin begonnen, die 1950 bei ihrem späteren Mann, dem Philosophen Max Bense promovierte. Mit ihm kam sie schon 1952 an die Volkshochschule Ulm und noch nicht an die erst 1953 gegründete HfG Ulm, wo sie ab 1956 im Studium Generale unterrichtete, „Über den Begriff der Freiheit“ dozierte, junge Menschen mit Sprachkritik vertraut machte und sie in die zur Design-Voraussetzung werdende Zeichentheorie einführte. Dazu brauchte sie Wissen um die Möglichkeiten, also Pragmatik, und angesichts der Bildungsvoraussetzungen sicherlich auch Geduld, wobei zur Pragmatik gehörte, Unterrichtsinhalte angesichts der nicht nur deutschsprachigen Studierenden auf französisch und englisch zu wiederholen. Dazu kam Präzision, wie sie etwa dem von ihr übersetzten Schriftsteller Francis Ponge zu eigen war, der zu Anfang der „Einführung in den Kieselstein“ bemerkt: „Mit dem Wort mit beginnt dieser Text.“ Über Ponge schrieb sie auch ihre 1965 erschienene Habilitationsschrift, die ihr eine Dozentur, dann die Position einer akademischen Rätin ermöglichte, bis sie schließlich als eine der ersten Frauen eine ordentliche Professur an der heutigen Universität Stuttgart erhielt. Da hatte sie längst mit Max Bense die legendäre Literatur-, Kunst- und Philosophiereihe „rot“ begründet, die erst jetzt durch ihren Tod keine Fortsetzung mehr findet, und in Zeitschriften wie „Augenblick“, „Semiosis“ oder dem „Wörterbuch der Semiotik“ Grundlagenarbeit nicht nur für die Sprech-, Denk- und Kunstformen der Stuttgarter Schule, sondern auch für die Verwissenschaftlichung der Designausbildung gerade in Deutschland geleistet. Auch verdanken wir ihr ein Augen- und Ohrenzeugnis des Konfliktes zwischen Max Bill und Arno Schmidt über den Textunterricht an der HfG Ulm.



 

Sie übersetzte den Philosophen Charles Sanders Peirce und gab die Werke Benses heraus, hielt Kontakt zu Text- und Bildentwicklern wie Helmut Heißenbüttel oder Anton Stankowski, war seit den 1960er-Jahren mit der jeweils aktuellen Computerentwicklung vertraut und lernte noch im fortgeschrittenen Alter Türkisch. Sie wusste genau, was etwa in die Ausstellung zu „Bense und die Künste“ 2010 im Karlsruher ZKM gehörte und was nicht. 



 

2007 widmete ihr Gerda Müller-Krauspe ein einfühlsames Porträt in ihrem Standardwerk „Selbstbehauptungen“ zu Frauen an der HfG Ulm. Elisabeth Walther hat durch ihre Lehre und ihre Bücher viele Menschen weit über ihr engeres Fachgebiet hinaus geprägt. Bestimmt.

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