7. Mai 2015

Dossiers

Israelisches Design. Shual

Text: Jessica Sicking, Susanne Heinlein

In form 259 beschäftigen wir uns mit dem Design in einem Land, das in den Medien hauptsächlich wegen seiner politischen Konflikte präsent ist: Israel. Gleichwohl hat es eine lebendige und vielfältige Designszene zu bieten, deren Akteure wir uns genauer angeschaut haben. Mehr Portraits israelischer Designer und Studios zeigen wir sowohl in form 259 als auch in form Dossiers.

 

 

Guy Saggee and Mushon Zer-Aviv haben ihr gemeinsames Studio Shual 2002 gegründet und entwerfen seitdem erfolgreich visuelle Identitäten, Bücher und Interaktionsdesign, hauptsächlich für Kunden aus dem kulturellen Bereich. Obwohl sie mit ihren Arbeiten ein deutliches politisches Engagement ausdrücken, ist es ihnen wichtig, dies aus persönlichen Überzeugungen und nicht aufgrund einer externen Erwartungshaltung zu tun.



 

Studio: Shual

Webseite: shual.com

Gründungsjahr: 2002

Mitarbeiter: 2

Arbeitsbereiche: Identitäten, Buchdesign, Interaktionsdesign

Kunden: The Israeli Center for Digital Art in Holon, The Israel Museum in Jerusalem

 

 

Was ist Eurer Meinung nach besonders an Design in Israel?

 

Aktuell gibt es einen deutlichen Schwerpunkt auf Typografie. Der moderne und postmoderne Aufschwung des Hebräischen Alphabets ist wohl eine der schönen Seiten des zionistischen Projekts. Zudem hebt es das israelische Design besonders hervor, denn die (hebräische) Typografie ist leicht zu identifizieren und zeichnet sich durch starke Eigenschaften aus – wir sind das einzige Land, dass Hebräisch verwendet und schon dieser Aspekt unterscheidet uns maßgeblich. Allerdings nicht immer im besten Sinne, denn ich habe das Gefühl, dass wir nicht selten durch eine orientalische Brille betrachtet werden.

 

 

Wie würdet Ihr Eure Arbeiten beziehungsweise Euren Stil beschreiben?

 

Die nationale Identität und die Definition von Grenzen sind ein zentrales Thema der „Erfahrung Israel“, allerdings sind diese Grenzen immer in Bewegung und schwer nachzuverfolgen, sodass viele Grenzkonflikte daraus resultieren – sowohl sicherheitstechnisch aber auch auf einem diplomatischen Level, was wiederum Folgen auf sozialen, persönlichen und psychologischen Ebenen hat. Aufgrund unserer persönlichen Interessen, aber auch durch die Tatsache, dass wir viel mit dem Israeli Center for Digital Art zusammenarbeiten, das einen starken politischen Fokus aufweist, finden sich diese Themen auch in vielen unserer Arbeiten wieder.



 

Wie geht Ihr mit den verschiedenen Schriftsystemen um, die in Israel zum Einsatz kommen?

 

Zu Beginn können zwei verschiedene Schriftsysteme ein Ärgernis sein, etwas, das man lösen muss. Es wirft die Frage nach der formalistischen Beschaffenheit auf, wie man beide in einem gemeinsamen Format vereinen kann. Und dann ist da das Arabische, was die Kombination noch komplizierter macht. Es ist aber dennoch lohnend, da viel Inhalt durch Fragen und Lösungen der typografischen Dreifach-Hierarchie entsteht.

 

 

Mit welchem Schriftsystem zieht Ihr es vor zu arbeiten und warum?

 

Es scheint erst einmal einfacher, Entwürfe mit dem lateinischen Alphabet zu entwickeln, da seine Formen in größerer Harmonie zu einander stehen, als das im hebräischen Alphabet der Fall ist. Die einzelnen Buchstaben des Lateinischen basieren auf simplen grafischen Formen und stehen somit im Gegensatz zum Hebräischen besser mit dem Gesamtkonzept in Einklang. Hebräische Buchstaben bieten außerdem weniger Vielfalt und Fonts. Allerdings tragen alle diese Aspekte dazu bei, dass ein erfolgreiches Konzept, das alle Probleme löst, zu einer höheren Zufriedenheit und weit größerer Einzigartigkeit führt. Das doppelte oder sogar dreifache Schriftsystem ist in Israel gegeben und somit essentiell für unser Design.



 

Wieso habt Ihr Euch auf Kunden aus dem kulturellen Bereich spezialisiert?

 

Wir arbeiten viel für den Bereich Kunst und Kultur und sind umgeben und beeinflusst durch Menschen, für die Ästhetik durch die Filter und das Vokabular der Kunst interpretiert werden. Es ist also auch ein Feld oder Territorium des Designs, in dem eine größere Diskussion zwischen Design und Inhalt möglich ist und die Variable des Marktes erst von Wichtigkeit ist, wenn die Umwandlung eine ideale Lösung hervorgebracht hat.

 

 

Wie hat diese kulturelle Welt Euren Stil mitgeprägt?

 

Wenn man wie wir aus Israel kommt und innerhalb der israelischen Kultur arbeitet, ist man konstant von Konflikten umgeben. Konflikte sind ganz klar nichts positives, wenn man versucht ein normales Leben zu führen. Nichtsdestotrotz können sie einen Menschen sehr leidenschaftlich machen. Unsere Arbeit ist beeinflusst durch heutige Konflikte, aber auch solche aus der Vergangenheit. Wir versuchen Konflikte in unsere Arbeit aufzunehmen und die, die ihnen ausgesetzt sind, damit zu konfrontieren.

Wir sind politisch sehr engagiert und das sieht man auch in unserer professionellen Arbeit. Wir hoffen allerdings, dass es eine aufrichtige Entscheidung des Designers ist und keine externe Erwartungshaltung. Zudem glauben wir, dass wir als Designer immer aus unserer eigenen Kultur heraus arbeiten sollten, anstatt von einer radikalen Randposition aus Kritik zu üben.

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