16. Oktober 2014

Dossiers
Sinneswandel App

Text: Anja Neidhardt

Plakate und Leitsysteme sollen den Alltag im öffentlichen Raum erleichtern. Doch oft schließen sie blinde und sehbehinderte Menschen aus. Viele Informationen, die Händler und Dienstleister mit beispielsweise Schildern oder Tafeln kommunizieren wie Angebote, Veranstaltungen oder Öffnungszeiten, können mit einer visuellen Beeinträchtigung nicht wahrgenommen werden. Auch bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel treten Probleme auf: kurzfristige Änderungen im Fahrplan werden nur schriftlich auf den Anzeigetafeln der Haltestellen angezeigt. An diese Probleme knüpft ein Projekt von Annemarie Wald und Evelin Rakiec an: Ihre Anfang 2014 als Bachelor-Thesis an der Hochschule Mainz entstandene Arbeit besteht aus der barrierefreien App „Sinneswandel“, die Betroffenen helfen soll, ihre Alltagssituationen im öffentlichen Raum so selbständig wie möglich zu bewältigen, und der ergänzenden Veranstaltung „Tag des Sinneswandels“, die die App in der Zielgruppe bekannt machen und die allgemeine Öffentlichkeit auf das Recht auf Inklusion hinweisen soll. Das Konzept basiert unter anderem darauf, dass gerade das Einkaufen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein Bindeglied zwischen Nicht-Sehenden und Sehenden darstellt.



 

Wald und Rakiec haben das Projekt als Pilotprojekt der Kommune Mainz ausgelegt. Einerseits ist Mainz eine Großstadt, aber andererseits nicht so groß, als dass die Einkaufsstraßen unüberschaubar wären. Außerdem engagiert sich Mainz bereits für blinde und sehbehinderte Menschen: Es gibt entsprechende Leitsysteme, eine barrierefreie Webseite, barrierefreie Stadtführungen und einen Fahrservice.

Das Konzept hinter „Sinneswandel“ sieht so aus: Die App ist blindengerecht gestaltet und funktioniert mit Voice-Over. Sie nutzt GPS, ist Smartphone-kompatibel und kann mit individuellen Einstellungen personalisiert werden. Der Nutzer kann die Gewerbebranchen und Themenbereiche filtern und den Radius einstellen, über den er Informationen erhalten möchte. Verschiedene Töne und Vibrationsmuster erleichtern die Unterscheidung der Benachrichtigungsarten. Auf der Microsite von „Sinneswandel“ melden sich Händler und Dienstleister an und teilen ihre Neuigkeiten: Von geänderten Öffnungszeiten über Wochenangebote, Notfallmeldungen bis hin zum Personalbedarf kann jede Information verbreitet werden. Die barrierefreie Webseite dient neben der App als zusätzliche Informationsquelle. Um die App in den Zielgruppen bekannt zu machen, soll ein „Tag des Sinneswandels“ stattfinden. Diese Veranstaltung soll Händler und Dienstleister auf die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Kunden aufmerksam machen und zudem die Möglichkeit bieten, die allgemeine Öffentlichkeit über das Recht der Inklusion aufzuklären.

Derzeit sind Wald und Rakiec mit verschiedenen lokalen Verbänden in Kontakt und suchen nach Partnern, mit denen sie das Konzept umsetzen können.



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