6. Januar 2018

News

The Body:

Fashion and Physique

Museum at the Fashion Institute of Technology, New York

– 5. Mai 2018

fitnyc.edu

 

Das kulturelle Konstrukt des modischen Körpers ist in sich wandelbar und steht für die jeweiligen Körperideale einer Zeit. Weniger wandelbar treten diese Ideale jedem Einzelnen im Alltag gegenüber, welche als fixierte gesellschaftliche Erwartungen die eigene Körperwahrnehmung beeinflussen sowie die Wahrnehmung anderer. Die komplexe Geschichte des „idealen Körpers“ und dessen unterschiedlichen Ausprägungen seit dem 18. Jahrhundert sind Thema der aktuellen Ausstellung im Museum des FIT.

 

Innerhalb der Geschichte idealer Körperbilder wird besonders der weibliche Körper als modellierbares Objekt begriffen, der je nach Epoche durch Schnitte, Miederware, Diät, Sport und Schönheitschirurgie dem zeitgenössischen Schönheitsideal angepasst werden kann.

Der ideale Frauenkörper vor dem 20. Jahrhundert war reif und kurvig, mit einer möglichst schmalen Taille. Diese Silhouette erlangten Frauen und Mädchen mithilfe von steifen Miedern und Korsetts. Die zunächst elitären Kleidungsstücke bekamen erst durch den technischen Fortschritt des 19. Jahrhunderts eine größere Zielgruppe, sodass am Ende des Jahrhunderts das Tragen eines Korsetts der gesellschaftlichen Norm entsprach. Andere Körperkonstruktionen zur Formung der Rocksilhouette waren die Krinoline und die Tournüre, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa in Mode kamen. Erstere, eine Variante des Reifrocks, veranlasste, dass der Rockdurchmesser enorme Ausmaße erreichte und so die Illusion einer schmaleren Taille entstand. Im Gegensatz zur Krinoline sorgte die Tournüre bloß auf der Rückseite des Rocks für Volumen, wodurch der Eindruck eines vergrößerten Gesäßes entstand.

 



 

Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte sich das herrschende Körperideal, aus „reif und kurvig“ wurde „jung und schlank“. Frauen wurden dazu ermutigt Sport zu betreiben, die Kleider wurden kürzer und lockerer und das steife Korsett wurde durch ein elastisches Mieder ersetzt. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts folgten Modeerscheinungen Schlag auf Schlag – von den lockeren kurzen Kleidern der 1920er-Jahre bis zu den weiten Röcken des „New Look“ von Christian Dior in den 1950ern. Das modische Ideal der darauffolgenden Jahrzehnte manifestierte sich in der Gestalt von Twiggy. Designer entwarfen freizügigere Mode und lehnten restriktive Mieder ab. Das führte letztendlich zum Diätwahn der 1980er-Jahre, in denen eine neue Fitnesskultur rund um die Aerobic-Bewegung aufkam. Harte und muskulöse Körper waren jetzt en vogue, worauf unter anderem die Entwürfe von Jean Paul Gaultier und Thierry Mugler antworteten. Der trainierte Körper ebnete dem spindeldürren Körperideal der 1990er-Jahre den Weg, personifiziert durch Kate Moss. Dieses Ideal schallt auch im 21. Jahrhundert noch nach, wobei neue Strömungen in der Modeindustrie nach mehr Diversität verlangen. Auf den Schauen der Modedesignerin Becca McCharen-Tran und ihrem Label Chromat laufen Models verschiedenster Körpergrößen, Herkünfte und Geschlechtsidentitäten. Damit fordert sie körperfeindliche Schönheitsstandards heraus, die sich im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts in der Modeindustrie manifestiert haben.

Die Ausstellung wurde von Emma McClendon kuratiert und wird unterstützt durch den Couture Council. Parallel zur Ausstellung findet am 23. Februar 2018 ein kostenloses Symposium in den Räumen des FIT statt, das dazu beitragen soll, den Dialog über den idealen Körper zu erweitern.

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