16. April 2015

Dossiers
Toy Design 2020. Spielzeugmacher der Zukunft

Text: Anja Neidhardt

Anfang des Jahres fand in Nürnberg wieder die weltweit größte Spielwarenmesse statt. Im Nachwuchswettbewerb Toy Design 2020, gemeinsam von der Messe und der Fachgruppe Holzspielzeug ausgelobt, wurden die Entwürfe für „das Spielzeug der Zukunft“ von Angela Corrado (USA), Lena Mühl (Deutschland) und Wanhyun Ko (Südkorea) ausgezeichnet. Während wir in form 259 erklären, wie die jeweiligen Spielzeuge funktionieren, erfahren Sie hier mehr über die Prozesse und die Hintergründe der Entwürfe.



 

Der erste Preis ging an Angela Corrado, die in ihrem Industriedesign-Studium am Rochester Institute of Technology den Bausatz Imagine Fort entwickelt hat. Mit dem Set aus Stöcken und Verbindungselementen können Kinder Burgen, Höhlen, Spielplätze und vieles mehr bauen. Sie sagt, dass sie – beeinflusst durch ihr Studium – vor allem auf die Schnittstelle zwischen Produkt, Kultur, Kommerz und Kontext fokussiert ist und immer diese Kriterien durchdenke, um herauszufinden, wie ein Produkt seinen Platz in der Welt finden kann. Im Laufe ihres Studiums habe sie ein gutes Verständnis für vielfältige Produkttypen und eine empathische, nutzer-zentrierte Designauffassung entwickeln können, die sie in allen ihren Produkten reflektiert. Momentan finalisiert sie das Design von Imagine Fort und wird es auch zur New York Design Week im Mai vorstellen. 



 

Lena Mühl, die den zweiten Preis erhielt, hat an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle einen Farbkreisel mithilfe der Methode des „partizipativen Gestaltens“ im Spiel- und Lerndesign entwickelt: Sie war zu Besuch in einer Kindertagesstätte, wo sie beobachten konnte, für welche Spielzeuge sich die Kinder begeistern und wie sie mit ihnen spielen. Verschiedene Aspekte aus ihrer Recherche haben sie dann zu der Idee geführt, ein Kreisel-Farbmisch-Steckspiel zu gestalten. Später konnte sie ihre Prototypen zusammen mit den Kindern in der Kita testen und weiterentwickeln. Im Prozess waren auch die großen Werkstätten an ihrer Hochschule wichtig, und dass sie dort, zum Beispiel beim CNC-Fräsen, unterstützt wurde. Benannt hat sie ihren Kreisel nach Robert Musil, einem österreichischen Schriftsteller und Ingenieur, der bereits 1906 einen Farbkreisel konstruierte, um optische und wahrnehmungspsychologische Experimente durchzuführen. 



 

Wanhyun Ko – ebenfalls Student an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle – wollte vor allem ein Spielzeug entwickeln, das Kinder und Eltern zusammenbringt. Dazu hat er feinmotorische Fähigkeiten von Ein- bis Vierjährigen untersucht. Besonders interessant fand er das Prinzip, mit einer Art groben Nadel einen Faden durch Löcher zu fädeln. Außerdem war ihm wichtig, dass sich das Spielzeug mit dem Kind weiter entwickeln kann. Das Kind sollte sich selbst mit dem gegebenen Material neue Möglichkeiten und Herausforderungen stellen können. Seine Recherche zeigte ihm, dass bei vielen bereits bestehenden Fädelspielzeugen der Faden nach dem Einfädeln keine wirkliche Funktion erfüllt – es entsteht nichts Neues. Deshalb hat er ein neues Bauprinzip mit einem Gummiband entwickelt. Mit den Einzelteilen von Zoo Mix können Tiere zusammen- und auseinandergebaut werden. Wie Lena Mühl konnte auch Wanhyun Ko sein Projekt in Kindertagesstätten testen. Dabei hat er beobachtet, dass jüngere Kinder in erster Linie Spaß am Dehnen der Schnur haben und bereits das Einführen in die Fuge ein großes Erfolgserlebnis ist, da die Bauteile mit den Kugelgelenken einrasten und eine motorische Funktion erhalten. Ältere Kinder haben vor allem Spaß daran, sich die Reihenfolge der Bauschritte zu merken und die Tiere dementsprechend aufzubauen. „Im Rahmen des Projektes und auch generell an meiner Hochschule wird sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Wir lernen nicht nur viele neue Materialien kennen, sondern auch, diese sinnvoll zu verarbeiten“, erklärt Wanhyun Ko. Da er sich besonders für wiederlösbare neue Verbindungssysteme mit motorischen Funktionen interessiert und gerne mit Holz arbeitet, haben auch ihm die Werkstätten an der Hochschule sehr geholfen. 

Shop

Nº 274
Identity

form Design Magazine


Grid one form 274 cover 1200 Jetzt bestellen

Kontakt

Verlag form GmbH & Co. KG
Wildunger Straße 8
60487 Frankfurt am Main
Germany

T +49 69 153 269 430
F +49 69 153 269 431
form@form.de

Leserservice

Fragen zur Abonnementrechnung, zum Abonnementangebot oder Adressänderung?

T +49 69 153 269 438
F +49 69 153 269 439
leserservice@form.de

Newsletter

Melden Sie sich jetzt an, um an exklusiven Ticketverlosungen teilzunehmen, monatliche Neuigkeiten zum Magazin zu erhalten und über aktuelle Design-Events und -Publikationen informiert zu werden.

Anmelden

Design Magazine
Established 1957

 

 
form.de